Fotos in der Ahnenforschung
In der Ahnenforschung ist das Foto die einzige Quelle, die nicht nachbestellt werden kann. Kirchenbücher liegen im Archiv, Standesamtsregister lassen sich anfordern — die einzige Aufnahme des Urgroßvaters existiert genau einmal, meist in einer Schachtel bei einer Verwandten.
Diese Seite ist für den Punkt in einem Forschungsvorhaben, an dem die Papiere geordnet sind und die Fotos noch nicht.
Zuerst die Menschen, dann die Schachtel
Wer die Gesichter noch kennt, ist die knappste Ressource im ganzen Vorhaben. Nehmen Sie die Aufnahmen mit zum nächsten Besuch, legen Sie sie auf den Tisch und schreiben Sie mit, während erzählt wird.
Notieren Sie auch, was unsicher ist: „vermutlich Bruder des Großvaters“ ist eine brauchbare Angabe, „unbekannt“ ist keine.
Auf den Abzug selbst gehört möglichst nichts. Namen kommen in die Datei oder in Ihre Software, allenfalls mit weichem Bleistift an den Rand der Rückseite.
Was eine Aufnahme selbst verrät
Das Format datiert oft genauer als die Erinnerung: Carte de Visite und Kabinettformat gehören ins späte 19. Jahrhundert, kleine gezackte Abzüge in die Jahrzehnte nach 1930.
Der Atelierstempel auf der Rückseite oder Vorderseite nennt Ort und Firma, und Adressbücher sagen Ihnen, in welchen Jahren es dieses Atelier an dieser Adresse gab. Das ist eine der zuverlässigsten Datierungen überhaupt.
Uniformen, Trauerkleidung, Konfirmationsanzüge und Rückseitendrucke tragen weitere Hinweise. Deshalb wird der ganze Abzug gescannt, Ränder und Rückseite eingeschlossen — und deshalb bleibt jede Schrift bei uns unangetastet oder zeichengetreu erhalten.
Scannen für ein Archiv, nicht für den Bildschirm
600 dpi, der ganze Abzug, dazu ein zweiter Scan der Rückseite, wo etwas darauf steht. Die Rückseite ist in der Ahnenforschung oft die wertvollere Hälfte.
Benennen Sie die Dateien so, dass sie ohne Ihre Software verständlich bleiben: Jahr, Nachname, Ort, laufende Nummer. Vereine, Archive und Verwandte bekommen damit Dateien, die sie zuordnen können.
Sichern Sie die Rohscans an zwei Orten, bevor Sie irgendetwas bearbeiten. Der Scan ist ab diesem Moment die Quelle; der Abzug wird nicht besser.
Reparieren, ohne die Quelle zu verfälschen
Für die Forschung gilt eine Regel, die für ein Wohnzimmerbild nicht gilt: Der Rohscan wird aufbewahrt und die Reparatur daneben gelegt. Was Sie weitergeben, sollte kenntlich machen, welche der beiden Fassungen es ist.
Wir ändern nichts außer dem Schaden, und niemand wird geschönt oder verjüngt. Zerstörte Flächen kommen allerdings gefüllt zurück: Was dort steht, ist angenommen und stammt nicht aus der Quelle. In einer Sammlung gehört genau das vermerkt — Rohscan und Reparatur nebeneinander, und die ergänzten Stellen benannt.
Kolorierte Fassungen gehören nicht in eine Sammlung, jedenfalls nicht ohne Kennzeichnung. Sie sind eine Deutung, und wir stellen sie deshalb gar nicht erst her.
Wohin es danach gehört
Vereine für Familienforschung, Heimatvereine und Stadtarchive nehmen Digitalisate oft gern entgegen, besonders wenn Ort, Jahr und Atelier bekannt sind. Fragen Sie vorher, in welchem Format.
Innerhalb der Familie ist die verlässlichste Sicherung die unspektakuläre: dieselben Dateien bei mehreren Menschen, auf gewöhnlichen Datenträgern, in Ordnern mit lesbaren Namen.
Fragen
- Verfälscht eine Reparatur die Quelle?
- Nicht, wenn der Rohscan erhalten bleibt und die Reparatur als solche kenntlich ist. Wir ändern ausschließlich den Schaden: keine Schrift, keine Gesichter, keine Erfindungen in Lücken.
- Können Sie beschriftete Rückseiten lesbarer machen?
- Wir können Flecken und Verfärbungen entfernen, unter denen eine Handschrift liegt. Was wir nie tun, ist Buchstaben ergänzen oder korrigieren — eine geratene Jahreszahl wäre in Ihrer Sammlung schlimmer als ein Fleck.
- Lohnt sich ein Paket für eine Familiensammlung?
- Meist ja, weil es in der Ahnenforschung selten bei einer Aufnahme bleibt. Probieren Sie eine kostenlos aus, am besten die am stärksten beschädigte, und entscheiden Sie danach.
Eine Aufnahme aus Ihrer Sammlung, kostenlos
Schicken Sie die am schlechtesten erhaltene Aufnahme Ihrer Sammlung. Eine Reparatur kostenlos, ohne Karte, und Sie sehen sofort, was sich für den Rest lohnt.
Ein Foto kostenlos reparierenWenn das Ergebnis nicht der Mensch ist, an den Sie sich erinnern, erstatten wir den Betrag zurück.